Zwei Vokalensembles zu Gast in Teufen
Auf Einladung der Bach-Kantorei im März zwei Vokalensembles Renaissancemusik in der Evangelischen Kirche Teufen zu Gehör. Am Sonntag, 18. März, 17 Uhr, erklingen vom Ensemble „colla voce“ Werke des italienischen Komponisten Carlo Gesualdo und am Sonntag, 25. März, 17 Uhr, Motetten spanischer Meister der Renaissance, dargeboten vom „Vokalensemble Praetorius St.Gallen“ und dem Instrumentalensemble „Musica Poetica Freiburg“.
Der Eintritt zu beiden Konzerten ist frei (Kollekte).
colla voce, das Vokalensemble der Uni und ETH Zürich, besteht seit 1989. Es hat sich aus Mitgliedern des Akademischen Chors herausgebildet und umfasst heute rund 30 Sängerinnen und Sänger. Seit Beginn wird colla voce von Lukas Reinitzer dirigiert. Unter seiner fachkundigen Leitung werden qualitativ hochstehende Interpretationen von Chorwerken erarbeitet. Das durchsichtige Klangbild des Chores und die Ausarbeitung feinster stilistischer und musikalischer Nuancen verschafft dem Publikum an Konzerten immer wieder grossartige Hörerlebnisse. Das aktuelle Programm heisst „Illumina nos“: Schmerz und Erlösung - Madrigale von Carlo Gesualdo (1566-1613). Don Carlo Gesualdo, Fürst von Venosa, wird oft als eine der schillerndsten Figuren der Musikgeschichte bezeichnet. Zweifelhaften Ruhm erlangte er dadurch, dass er seine erste Ehefrau und ihren Liebhaber ermordete, nachdem er sie auf frischer Tat ertappte. Die Kompositionen von Gesualdo sind stilistisch der italienischen Spätrenaissance zuzuordnen und zeichnen sich durch den häufigen und unerwarteten Einsatz von Dissonanzen und chromatischen Wendungen aus, die der expressiven Ausdeutung des Textes dienen. Die extremsten Beispiele dafür finden sich in den letzten beiden Madrigalbüchern 5 und 6, die Gesualdo zunächst als „musica reservata“ nur für die Aufführung im privaten Rahmen zurückbehielt und erst kurz vor seinem Tode zur Veröffentlichung freigab. Das Konzertprogramm wird ergänzt durch drei geistliche 5-7-stimmige Werke von Gesualdo, die einen musikalischen Kontrast zu den expressiven weltlichen Madrigalen darstellen. Bei zweien dieser Werke wurden verschollene Stimmen im 20. Jahrhundert durch Igor Strawinsky ergänzt, der von der Musik Gesualdos fasziniert war. Gesualdos Werke werden selten aufgeführt; Colla voce freut sich, ein eindrucksvolles „musikalisches Portrait“ des komponierenden Fürsten Don Carlo Gesualdo zu präsentieren.

Die Ensembles Praetorius und Musica Poetica warten auf mit Werken der Komponisten Cristóbal de Morales (um 1500 – 1553), Pierre de Manchicourt (ca. 1510 – 1564) und Francisco Guerrero (1528 – 1599). Ihre fünf- und sechsstimmigen Motetten aus der Mitte des 16. Jahrhunderts erklingen in einem farbigen Reigen aus Singstimmen, Bläsern und Streichern, abwechslungsweise und auch zusammen gespielt und gesungen. Der Themenkreis spannt sich von der Geschichte der heiligen drei Könige über Gotteslob und Verherrlichung Christi bis hin zum Wehklagen eines Sünders. Eine Besonderheit bildet die „politische“ Motette „Jubilate Deo“, die Morales zur Feier des Friedens von Nizza 1538 zwischen Papst Paul III., Kaiser Karl V. und König Franz I. von Frankreich komponiert hat.
Im Vokalensemble Praetorius, gegründet 1999, haben sich Sängerinnen und Sänger aus der Ostschweiz zusammengefunden. Es hat in wechselnder Besetzung drei- bis zwölfstimmige Werke wenig bekannter Meister aus Renaissance, Barock und Moderne in Gottesdiensten, Matinéen und Konzerten in den Regionen St. Gallen, Rheintal, Toggenburg und im Thurgau gesungen. Das Ensemble Musica Poetica Freiburg, gegründet 1980, hat einen hervorragenden Ruf für seine historisch-originale Aufführungspraxis. Schwerpunkt ist die durch den Gründer Hans Bergmann selbst editierte Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Meist handelt es sich hierbei um Werke in Vergessenheit geratener Meister. Dies ist auch ein Anliegen des Vokalensembles Praetorius. Dank dieser Zusammenarbeit ist es möglich, dass solch prächtige alte Musik wieder zum Leben erweckt werden kann.







