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Diese Konzerte gehören der Vergangenheit an...

Georg Friedrich Händel (1685-1759)

Belshazzar
Dramatisches Oratorium in drei Teilen, HWV 61

Samstag, 6. März 2004, 19.00 Uhr
Tonhalle St. Gallen

Sonntag, 7. März 2004, 17.00 Uhr
Stadtkirche Winterthur

Hermann Oswald, Tenor - Belshazzar, König von Babylon
Simone Kermes, Sopran - Nitocris, Mutter von Belshazzar
Elizabeth McQeen, Mezzosopran - Cyrus, persischer Prinz
Martin Oro, Countertenor - Daniel, ein jüdischer Prophet
Wolf Matthias Friedrich, Bass - Gobrias, zu Cyrus übergelaufener assyrischer Adliger
Jean-François Morin, Tenor - Arioch, babylonischer Edelmann
Peter Walser, Bass - Bote
Cornelius Glaus, Altus; Jean-François Morin, Tenor; Kurt Tschirren, Bass - Weise Männer
Nadja Schnetzler, Sopran; Cornelius Glaus, Altus; Jean-François Morin - Chorsolisten


Bach-Kantorei
Orchester ad fontes (auf historischen Instrumenten)

Leitung: Wilfried Schnetzler

Programmheft (PDF)

Live-CD

 

Presse:

Bericht im St. Galler Tagblatt vom 8.3.2004 (Konzert in St. Gallen)
Bericht im Landboten Winterthur vom 11.3.2004 (Konzert in Winterthur)

Nach Saul (1994) und Messias (1997/98) hat sich die Bach-Kantorei Appenzeller Mittelland 2004 mit BELSHAZZAR wieder ein grosses Oratorium von Georg Friedrich Händel vorgenommen und brachte es unter der Leitung von Wilfried Schnetzler in einer glanzvollen Besetzung am 6. März 2004 (19.00 Uhr) in der Tonhalle St. Gallen und am 7. März 2004 (17.00 Uhr) in der ref. Stadtkirche Winterthur zur Aufführung.

Der Kern der Handlung des Oratoriums findet sich in der Bibel, im fünften Kapitel des Propheten Daniel, wo erzählt wird, wie König Belsazar mit grossem Pomp das Sesach-Fest feiert, und dabei die heiligen Tempelgefässe, welche sein Vater Nebukadnezar in Jerusalem geraubt hatte, für das Gelage missbraucht. Dabei „lobten sie die goldenen, silbernen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter“. Im gleichen Moment „gingen hervor Finger wie von einer Menschenhand“, die schrieben eine unverständliche Schrift auf die Wand in dem königlichen Saal. Die königlichen Weisen und Magier können die Schrift nicht deuten. Erst Daniel, einer der gefangenen Juden, deutet die Worte „mene mene tekel upharsin“: Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. Man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden. Dein Reich wird zerteilt und den Medern und Persern gegeben. Lapidar schliesst die Geschichte: „Aber in derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer, getötet“.

Der Librettist, Charles Jennens, hat diese Erzählung aus der Bibel mit weiteren Berichten aus historischen Quellen ergänzt und daraus ein äusserst dramatisches Libretto geschaffen.

Händel bleibt dieser Dramatik nichts schuldig. Die Mittel, welche er dabei anwendet, weisen ihn als erfahrenen Opernkomponisten aus.

Dem Chor fällt eine mehrfache anspruchsvolle und grosse Aufgabe zu: Es gilt, die verschiedenen beteiligten Volksgruppen glaubhaft zu repräsentieren. Dabei hat der Komponist die Charaktere sehr schön herausgearbeitet. Die wilden, zügellosen Babylonier kontrastieren mit den strengen, wohlgeformten Chören der Juden, die Perser treten in kriegerischer Zuversicht auf.

Auch die Solopartien sind wundervoll auf die Charaktere der Personen zugeschnitten. Händel ist dabei sparsam mit langen Arien umgegangen. Stattdessen schrieb er häufig Accompagnato-Rezitative, d.h. solche, wo die Sänger statt nur vom Generalbass vom ganzen Orchester begleitet werden. Dieses Mittel dient einer musikalischen Straffung des Textes und treibt die Handlung voran.

Die instrumentale Besetzung ist vielfältig. Händel verwendet das normale barocke Streichorchester mit Oboen, ausser bei den Königs- und Kriegsmusiken, wo Trompeten und Pauken erklingen, sowie eine der Zeit entsprechend farbige, variabel eingesetzte Generalbassgruppe, welche in dieser Aufführung mit Cembalo, Orgel, Laute, Violoncello, Violone, Fagott und Contrafagott besetzt ist.

Das Oratorium wird in englischer Originalsprache dargeboten. Um dem Publikum trotzdem die Textverständlichkeit zu ermöglichen, werden – wie heute im Theaterbetrieb oft üblich – sogenannte Übertitel eingesetzt, d.h. der deutsche Text wird synchron mit der Musik oberhalb der Ausführenden projiziert. Damit ist ein praktisch müheloses Verständnis der Handlung möglich ohne auf die überzeugendere klangliche Realisierung in der Originalsprache zu verzichten.
Die Projektionsfläche ist in St. Gallen von fast allen Plätzen aus gut sichtbar (ausg. hintere Galerieplätze). In Winterthur ist die Sicht aus dem Mittelschiff gut.

Die anspruchsvollen Solopartien werden von international bekannten Vokalsolisten gesungen, das auf historischen Instrumenten spielende Orchester ad fontes, welches seit 1989 in vielen Konzerten mit der Bach-Kantorei zusammen musizierte, wird die Händelsche Klangpracht angemessen zur Geltung bringen, die Bach-Kantorei, welche in einer zwar nur mittelgrossen, aber in musikalischer Hinsicht sehr reifen Besetzung das Werk erarbeitet hat brennt darauf, ihren treuen Konzertbesucherinnen und –besuchern ein Händelfest erster Güte präsentieren zu dürfen.

   
© Bach-Kantorei